Politik Presse Partei > Presse (Druck- und Verlagsanstalt 1934–1988)

Austrofaschismus

„Das Kleine Blatt“Nach dem Verbot der SDAP am 12. Februar 1934 wurde auch das Vermögen der Unterstützungskasse des technischen Personals der Druckerei "Vorwärts" beschlagnahmt.In den 1930er Jahren wurden die Papierrollen für die Druckerei mittels Pferdekutschen angeliefert.Tagebucheintragung des politischen Häftlings Bruno Kreisky vom 7.7.1935:Am 4. März 1938 wude im Österreichischen Museum für Kunst und IndustrieRedaktionsdiener der Tageszeitung "Das Kleine Blatt" nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im März 1938. Die Zeitung wurde Anfang 1944 durch die "Kleine Wiener Kriegszeitung" ersetzt und erschien nach dem Krieg als Wochenzeitung.Der von Hubert Gessner entworfene holzgetäfelte Eingangsbereich des Hauses (Vestibül) ist heute noch im Originalzustand erhalten. Im November 1944 wurde ein Plan zur Errichtung eines Luftschutzraumes zum Schutz der Zivilbevölkerung gegen die Bombenangriffe der Alliierten eingereicht. Das Gebäude selbst überstand den Zweiten Weltkrieg unzerstört.Im Mai 1946 kehrte Bruno Kreisky erstmals aus dem schwedischen Exil nach Österreich zurück und schrieb seiner Frau Vera, dass er gleich nach seiner Ankunft in das "Vorwärts"-Haus ging, um in der Redaktion der AZ alte Freunde wiederzusehen.1947 wurden die von den Liegenschaften der Druck- und Verlagsanstalt "Vorwärts" der Sozialdemokratischen Partei zurückgegeben.Februargedenkfeier für die Opfer des Bürgerkriegs, 1947. In der ersten Reihe.: Vizebürgermeister Paul Speiser, Vizekanzler Adolf Schärf und die stellvertretende Parteivorsitzende der SPÖ Gabriele Proft.Oskar Pollak war 1931–1934 und nach seiner Rückkehr aus dem Exil 1945–1961 Chefredakteur der "Arbeiter-Zeitung".Helene Potetz, Bettina Hirsch und Marianne Pollak in der Redaktion der Zeitschrift "Die Frau", 1960.Auch die Österreich-Ausgabe der bundesdeutschen Programmzeitschrift "Hörzu" wurde in den 1960er Jahren im "Vorwärts" gedruckt.Betriebsbesuch von Bundespräsident Rudolf Kirchschläger 1975. Im Hintergrund ist der Innenhof der Druckerei zu erkennen.Die Druck- und Verlagsanstalt "Vorwärts verfügte in den 1970er Jahren mit 800 Angestellten sogar über eine eigene Mitarbeiterzeitung.Der Vertrieb der Zeitschrift „Die Frau“ erfolgte hauptsächlich über Kolporteurinnen.Bruno Kreisky setzte sich mehrmals für den Erhalt der zunehmend defizitären AZ ein, 1976 mit einer "Werber"-Aktion, um neue Abonnenten zu gewinnen.Anneliese Albrecht begann 1954 als Redakteurin im "Vorwärts"-Verlag und war von 1967–1979 Chefredakteurin der sozialdemokratischen Frauenzeitschrift "Die Frau".Werbeplakat 1979: Bundeskanzler und SPÖ-Vorsitzender Bruno Kreisky als AZ-lesender Torwart, Oppositionsführer Josef Taus (ÖVP) und Alexander Götz (FPÖ) als glücklose Fußballer. Karikatur von Rudolf Dirr (1919–2002).Brief Bruno Kreisky an den AZ-Journalisten Heinz Sichrovsky.Das Verbot der SDAP (Sozialdemokratische Arbeiterpartei) und ihrer Organisationen im Februar 1934 traf das mehrheitlich sozialdemokratische Personal der Druck- und Verlagsanstalt „Vorwärts“ hart: Die Parteileitung wurde verhaftet oder floh ins Ausland, aufständische Schutzbündler wurden eingesperrt und zum Teil standrechtlich hingerichtet. Mehr als ein Drittel der insgesamt 700 ArbeiterInnen und Angestellten der Druck- und Verlagsanstalt wurde entlassen. Zahlreiche politische FunktionärInnen gingen in den politischen Untergrund und gründeten die illegalen „Revolutionären Sozialisten“. Nachdem die „Arbeiter-Zeitung“ verboten und eingestellt worden war, ging ihr Chefredakteur Oscar Pollak zusammen mit einigen Redakteuren und politischen Funktionären nach Brünn ins Exil, wo nach zwei Wochen die AZ als Wochenblatt erschien und von wo aus sie illegal nach Österreich geschmuggelt wurde. Auf die Verbreitung der AZ standen mehrmonatige Kerkerstrafen.
Die bisher auflagenstärkste Zeitung des „Vorwärts“-Verlages, „Das Kleine Blatt“, sollte nach den Plänen der austrofaschistischen Machthaber die politisch heimatlos gewordene Arbeiterschaft ansprechen und für die Grundideen des „Ständestaates“ gewinnen. Zwei Wochen nach der Niederschlagung des Februaraufstandes erschien die populäre Zeitung wieder in ihrem gewohnten Layout. In den Leitartikeln wurde eine gleichgeschaltete Einheitsgewerkschaft als Ersatz für die verbotenen Freien Gewerkschaften propagiert. „Das Kleine Blatt“ durfte sich dabei einer Sprache bedienen, die für die Anhänger der verbotenen sozialdemokratischen Partei akzeptabel war. Schriftstellerinnen wie Veza Canetti konnten, zum Teil unter männlichen Pseudonymen, weiter publizieren. 1935 kam es zu einer Verhaftungswelle unter den FunktionärInnen der verbotenen SDAP. Über die meisten – unter ihnen war auch der spätere Bundeskanzler Bruno Kreisky – wurden mehrmonatige Kerkerstrafen verhängt.

Nationalsozialismus

Nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten in Österreich im März 1938 verschärfte sich die Lage für die jüdischen FunktionärInnen des sozialistischen Widerstands dramatisch. Besonders verhängnisvoll wirkte sich aus, dass Hans Pav, ein ehemaliger Sportredakteur der AZ, zahlreiche seiner GenossInnen verriet und damit der Vernichtung auslieferte. Die ausgezeichnete Infrastruktur des Verlages und der Druckerei mit dem hochqualifizierten Personal wurde auch von den Nationalsozialisten genutzt: Unter der Parole „Gemeinsam Vorwärts“ wurden bis Kriegsende Bücher, Broschüren, Plakate und Zeitschriften produziert. Im dritten Stock des Haupthauses, den Räumen des heutigen Kreisky-Archivs, wurde ein Speise- und Veranstaltungssaal mit daran anschließender Betriebsküche eingerichtet. 1944 betrug der Personalstand einschließlich der zur Wehrmacht eingezogenen Arbeiter 1.180 Beschäftigte. Die Zeitung „Das Kleine Blatt“ erschien bis September 1944.

Zweite Republik

Mit Kriegsende wurden der Verlag und die Druckerei unter öffentliche Verwaltung gestellt. Ab 5.8.1945 erschien wieder die Arbeiter-Zeitung, ein wichtiges Symbol für die erlangte Freiheit. Oskar Pollak, der bis 1934 Chefredakteur gewesen war, wurde aus dem englischen Exil zurückgeholt.
Mitte der 1950er Jahre war die AZ die auflagenstärkste Zeitung Österreichs, geriet allerdings durch das Aufkommen von Boulevardzeitungen und den verschärften Konkurrenzkampf am Zeitungsmarkt bald zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten. In den 1970er Jahren neigte sich die Ära der Zentralorgane politischer Parteien ihrem Ende zu. Die AZ wurde noch bis 1985 im Vorwärts gedruckt. Nach Auslagerung der Redaktion und des Druckes musste die Zeitung aufgrund sinkender Abonnentenzahlen und ausbleibender Inserate trotz verschiedener Rettungsversuche 1991 endgültig eingestellt werden.