Mit Ende des Ersten Weltkrieges wurde das österreichische Staatswesen
auf eine neue Grundlage gestellt, im alten Reichsratsgebäude konstituierte
sich der Nationalrat.
Während die Vertreterinnen und Vertreter der jungen Republik versuchten,
die politischen Herausforderungen des Kleinstaates nach dem Zusammenbruch der
k.u.k. Monarchie zu bewältigen, radikalisierte sich die politische Auseinandersetzung
und verlagerte sich zunehmend auf die Straße. Nach und nach wurde das
Vertrauen in die parlamentarische Demokratie erschüttert und in Frage
gestellt. Durch die Wirtschaftskrise ab 1929 verschärft, wurde jede Chance
auf eine Einigung zwischen den verfeindeten politischen Lagern im Bürgerkrieg
von 1934 vertan.
Nationalsozialismus
Nachdem am Vortag deutsche Truppen in Österreich einmarschiert waren, wurde am 13. März 1938 der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich verkündet. Unmittelbar danach begann eine massive Verfolgungswelle der Nationalsozialisten, zum Teil unter Mitwirkung der Bevölkerung und Tausende wurden ermordet. Einige versuchten – unter Einsatz ihres Lebens – Widerstand zu leisten, indem sie Aufklärungspropaganda betrieben oder anderen Menschen halfen, den Verfolgern zu entkommen. Ab 1943 wurde Wien zum Kriegsschauplatz. Bei wiederholten Luftangriffen der Alliierten verloren mehr als 8.000 Menschen ihr Leben.
Zweite Republik
Bis zum Abschluss des Staatsvertrages 1955 unterstand Österreich einer alliierten Militärregierung, die auch die höchste Entscheidungsinstanz im Staat innehatte. Die Hauptaufgabe der im April 1945 neu konstituierten österreichischen Bundesregierung war es, den Wiederaufbau des Landes zu organisieren und die Souveränität des Staates wiederherzustellen. Der politischen Stabilität wegen waren die Großparteien ÖVP und SPÖ um größtmöglichen Konsens bemüht. Nachdem die KPÖ 1947 aus der Regierung ausgeschieden war, bildeten die ehemaligen Bürgerkriegsgegner eine große Koalition, die jeweils unter einem von der ÖVP gestellten Kanzler bis 1966 immer wieder erneuert wurde.
NS-Vergangenheit
Nach Kriegsende versuchten sowohl die Alliierten als auch die österreichischen
Behörden, Nationalsozialisten aus den öffentlichen Funktionen zu
entfernen und Verbrechen zu bestrafen. Rund 550.000 Personen wurden als Nationalsozialisten
registriert. Der Großteil wurde bald als "minderbelastet" eingestuft
und wieder rehabilitiert. Diese so genannten Mitläufer bildeten ein gewichtiges
Wahlpotenzial bei der Nationalratswahl 1949.
Die österreichischen Widerstandskämpfer und -kämpferinnen wurden
von den neu etablierten politischen Parteien und den Alliierten von einer politischen
Mitgestaltung ausgeschlossen. Sie organisierten sich in Interessengruppen und
konzentrierten sich auf antifaschistische Aufklärung in der Öffentlichkeit.
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