Der erste Schritt zur beinahe lückenlosen Enteignung der jüdischen Bevölkerung in Österreich war die "Verordnung über die Anmeldung jüdischen Vermögens" vom 27. April 1938, die besagte, dass alle Juden und Jüdinnen (nach den Kriterien der "Nürnberger Rassegesetze"), deren Vermögen 5.000 Reichsmark überstieg, gezwungen waren, ihr Eigentum anzumelden. Somit erlangten die NS-Behörden detaillierte Kenntnis über vorhandene Vermögenswerte und konnten ihr weiteres Vorgehen genau planen. Juden und Jüdinnen mussten ihre Vermögenswerte veräußern, der Erlös kam nicht ihnen zu Gute, sondern wurde auf Sperrkonten gelegt und meist zur Deckung von ihnen auferlegten diskriminierenden Abgaben, wie etwa die "Reichsfluchtsteuer" und die "Judenvermögensabgabe", verwendet. Die Behörden zogen auch selbst Vermögen ein, etwa auf Grund der Elften Verordnung vom 25. November 1941, RGBl. I. S. 722 betreffend den Verlust der Staatsangehörigkeit und den Vermögensverfall bei Juden und Jüdinnen, die emigriert waren. Vor allem in der Anfangszeit der nationalsozialistischen Herrschaft in Österreich 1938 kam es zu unkontrollierten Plünderungen von jüdischem Eigentum durch die Bevölkerung und insbesondere durch Mitglieder von Gliederungen der NSDAP. Die Behörden versuchten dies in der Regel zu unterbinden, um so z. B. Steuerverluste – die Arisierungen waren mit Abgaben für den Ariseur/die Ariseurin belegt – zu vermeiden.
Drucken    Schließen