Stiftung Bruno Kreisky Archiv: Erinnerungsort Wien
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Politik Presse Partei
• Politik (Druckerei und Parteizentrale 1910–1934)
• Presse (Druck- und Verlagsanstalt 1934–1988)
• Vermittlungsprogramm für SchülerInnen


Das Vorwärts-Haus in der Rechten Wienzeile 97, nahe der „Ringstraße des Proletariats“ gelegen, ist ein Wahrzeichen des 5. Wiener Gemeindebezirks, dessen Geschichte wesentliche Entwicklungen der österreichischen Partei- und Pressepolitik aufzeigt. Anhand von Quellen aus dem Archiv der Wiener Baupolizei (MA 37, ehemaliges Stadtbauamt), dem Österreichischen Staatsarchiv, der Österreichischen Mediathek, dem Bezirksmuseum Margareten, der Österreichischen Nationalbibliothek, dem Kreisky-Archiv und dem Verein für Geschichte der ArbeiterInnenbewegung wurde eine kommentierte Chronologie zur Geschichte des Hauses erarbeitet. Sie ist in drei Unterkapitel gegliedert: Das erste Kapitel beschreibt die Errichtung des Gebäudes als Druckerei und Verlagshaus und seine Rolle als Parteizentrale der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) in der Ersten Republik. Im zweiten Kapitel geht es um die Druck- und Verlagsanstalt vom Verbot der Sozialdemokratischen Partei im Februar 1934 bis zum Abbruch der Druckerei 1988.

Durch Anklicken der Einzelbilder entsteht ein kommentiertes Vollbild, das weiterführende Informationen sowie die Herkunftsangabe zum gezeigten Dokument enthält.

Der Bau des Hauses wurde 1907 von der Parteileitung der SDAP beschlossen. In der Ersten Republik wurden neben der täglich erscheinenden „Arbeiter-Zeitung“ auch sozialdemokratische Wochenzeitschriften, Plakate, Broschüren und Bücher gedruckt. Bis zum Februar 1934 wurde in diesem Haus Politik aber nicht nur kommentiert, sondern auch gemacht: Das Hauptgebäude diente bis zum Verbot der SDAP als Sitz der Parteizentrale. Das „Herz und Hirn“ der Partei, wie das Haus genannt wurde, gilt bis heute als Wahrzeichen der österreichischen Sozialdemokratie.

Am 12. Februar 1934 kam es in mehreren österreichischen Städten nach Hausdurchsuchungen in Einrichtungen der SDAP, die vom autoritären „Ständestaat“ unter Bundeskanzler Dollfuß angeordnet worden waren, zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen zwischen Bundesheer und Heimwehr auf der einen und dem Republikanischen Schutzbund auf der anderen Seite. Heimwehr und Bundesheer konnten die Kämpfe militärisch für sich entscheiden. Die SDAP wurde verboten, aufständische Schutzbündler wurden hingerichtet. Einige prominente Sozialdemokraten wie Otto Bauer und Julius Deutsch flohen in die Tschechoslowakei, andere wurden inhaftiert. Der Vorwärts-Verlag, die dazugehörige Volksbuchhandlung in der Pilgramgasse 11 und das Parteiarchiv wurden beschlagnahmt und das Vermögen der dort ansässigen sozialdemokratischen Organisationen konfisziert. Der„Vorwärts“-Verlag selbst wurde nicht aufgelöst, sondern umfunktioniert: Bis zum „Anschluss“ am 12. März 1938 wurden Zeitungen und Broschüren für den austrofaschistischen „Ständestaat“ produziert und gedruckt. In der Folge bedienten sich auch die Nationalsozialisten der damals hochmodernen Druckerei. Im Nationalsozialismus wurden jüdische Redakteure und Redakteurinnen mit Berufsverbot belegt, in die Emigration getrieben, gingen in den Widerstand oder wurden ermordet. Das Vorwärts-Gebäude blieb im Zweiten Weltkrieg von Bombardierungen verschont. Am 5. August 1945 erschien nach elfjähriger Unterbrechung erstmals wieder die „Arbeiter-Zeitung“ (AZ). Bis 1955 war sie die auflagenstärkste Zeitung Österreichs. In den 1970er Jahren ging die Ära der Zentralorgane politischer Parteien jedoch ihrem Ende zu. Die AZ wurde noch bis 1985 im Vorwärts gedruckt. Nach finanziellen Schwierigkeiten durch sinkende Abonnentenzahlen und ausbleibende Inserate wurde die AZ schließlich 1991 endgültig eingestellt.

Das heute noch erhaltene Haupthaus mit seiner charakteristischen Fassade, der Uhr am Dachgiebel, dem original erhaltenen Eingangsbereich und dem Parteivorstandszimmer wurde 1988 unter Denkmalschutz gestellt. Die Druckerei im Innenhof und die beiden angrenzenden Häuser wurden vollständig abgerissen, an ihrer Stelle steht heute ein Hotel. Seit 1989 dient das Vorwärts als Forschungs- und Studienzentrum, in dem das Kreisky-Archiv, das Johanna Dohnal Archiv und der Verein für Geschichte der ArbeiterInnenbewegung untergebracht sind. Das Haus bildet den Ausgangspunkt zahlreicher geführter Stadtrundfahrten und -spaziergänge zur Geschichte des „Roten Wien“.


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ERP/OEEC: Das European Recovery Program (ERP) wurde nach seinem Initiator, dem US-Außenminister George C. Marshall, auch "Marshall-Plan" genannt. Mit der Abwicklung in den USA war die ECA (Economic Cooperation Agency) betraut. Mit der Koordination in Europa befasste sich die OEEC (Organisation for European Economic Cooperation, seit 1961: OECD – Organisation for Economic Cooperation and Development) mit Sitz in Paris. Die Konvention der OEEC wurde am 16. April 1948 von den 17 westeuropäischen Staaten, die am europäischen Wiederaufbauprogramm der USA teilnahmen, und den beiden assoziierten Mitgliedern Kanada und USA unterzeichnet.

GATT: Das zur Durchsetzung einer weltweiten handelspolitischen Ordnung am 30. Oktober 1947 von 23 Staaten unterzeichnete, von der Rechtslage jedoch provisorische GATT-Abkommen (General Agreement on Tariffs and Trade) ist seit 1. Jänner 1948 in Kraft. Sitz der Institution ist in Genf. Seit 1. Jänner 1995 ist das in WTO (World Trade Organization) umbenannte und um die Abkommen über Dienstleistungen (GATS) und geistiges Eigentum (TRIPs) erweiterte und derzeit 148 Mitgliedsstaaten umfassende Gremium die bisher jüngste Institution weltweiter wirtschaftspolitischer Zusammenarbeit. Die WTO ist als autonome Organisation der UNO zugeordnet.

Europarat: Die Institutionalisierung einer "europäischen Versammlung" geht auf den im Mai 1948 in Haag abgehaltenen Kongress der im selben Jahr gegründeten Europäischen Bewegung zurück. Die Idee einer politischen Union Europas konnte nicht verwirklicht werden, stattdessen unterzeichneten am 5. Mai 1949 zehn Staaten (Belgien, Dänemark, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Schweden und Großbritannien) den Londoner Vertrag zur Bildung des Europarates. Die lose Staatenvereinigung mit Sitz in Strassburg ist lediglich mit Weisungsbefugnis ausgestattete und erstrebt die Stärkung der pluralistischen Demokratie und der Menschenrechte im Sinne der Grundsätze und Ideale eines gemeinsamen europäischen Erbes. 1950 wurde die Europäische Konvention der Menschenrechte unterzeichnet, 1959 trat der EGMR (Europäische Gerichtshof für Menschenrechte) in Kraft. Österreich lässt als einziger Staat die Europäische Menschenrechtskonvention als unmittelbar anwendbares Verfassungsrecht auch innerstaatlich gelten.

Comecon: Der Comecon (Council for Mutual Economic Assistance) oder RGW (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe), dem die UdSSR, Bulgarien, die Tschechoslowakei, Ungarn, Polen, Rumänien, später Albanien, die DDR, die Mongolei, Kuba, Vietnam, zeitweise China und Jugoslawien angehörten, wurde 1949 als Wirtschaftsbündnis gegründet. Als äquivalentes Verteidigungsbündnis zur NATO trat 1955 der Warschauer Pakt in Kraft.

Zeittafel:
22. August 1945: Die UNRRA beschließt Hilfslieferungen für Österreich Dezember 1945: Währungsreform: Konvertierung von Reichsmark zum Schilling im Verhältnis 1:1
8. März 1946: Die UNRRA-Hilfe läuft an
27. Juni 1946: Das "deutsche Eigentum" in der sowjetischen Besatzungszone wird unter sowjetische Verwaltung gestellt ("Befehl Nr. 17")
25. Juli 1946: Erstes Verstaatlichungsgesetz
26. März 1947: Zweites Verstaatlichungsgesetz
5. Juni 1947: Vorstellung des ERP ("Marshall-Plan")
21. Juni 1947: Verzicht der USA auf Abgeltung der Besatzungskosten
1. August 1947: Erstes Lohn- und Preisabkommen
2. Juli 1948: Unterzeichnung des ERP-Abkommens zwischen Österreich und den USA
27. August 1948: Beitritt zur Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds
16. September 1948: Zweites Lohn- und Preisabkommen
25. Jänner 1949: Gründung des Comecon
1. Juni 1949: Drittes Lohn- und Preisabkommen
26. September 1950: Viertes Lohn- und Preisabkommen
26. September bis 5. Oktober 1950: Große Streikbewegung ("Oktoberstreik")
18. April 1951: Gründung der EGKS
10. Juli 1951: Fünftes Lohn- und Preisabkommen
19. Oktober 1951: Beitritt zum GATT
1. Juli 1953: Ende des Marshall-Plans
30. Juli 1953: Verzicht der Sowjetunion auf Abgeltung der Besatzungskosten (Großbritannien und Frankreich ab 1. Jänner 1954)
8. März 1956: Beitritt zum Europarat
14. Dezember 1955: Beitritt zur UNO
1. Jänner 1958: Gründung der EWG
4. Jänner 1960: Mitbegründung der EFTA
15. Dezember 1961: Erster Antrag auf Assoziation mit der EWG (Zweiter Antrag 1963, Ablehnung 1967)
12. Juli 1962: Der ERP-Fonds wird in das volle österreichische Verfügungsrecht gestellt
17. Juli 1989: Antrag auf Vollmitgliedschaft in der EU, 1. Februar 1993: Beginn der Beitrittsverhandlungen, 12. Juni 1994: Volksabstimmung (Zustimmung zu 66 Prozent)
1. Jänner 1994: Mitbegründung des EWR
1. Jänner 1995: Beitritt zur EU sowie zum 1985 abgeschlossenen Schengen-Abkommen
1. Jänner 1999: Einführung des Euro in den Mitgliedsstaaten der Wirtschafts- und Währungsunion
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