Zeittafel
1945 war das in vier Besatzungszonen unterteilte Wien völlig von der
sowjetisch verwalteten Zone Ostösterreichs umschlossen. Das bedeutete
vor allem Probleme in der Versorgung der Wiener Bevölkerung in den von
den Westalliierten kontrollierten Zonen. Gleichzeitig beanspruchte die Sowjetunion
das gesamte "deutsche Eigentum" in ihrer Verwaltungszone. Als deutsches
Eigentum galt vorerst jedes Unternehmen, das unter der nationalsozialistischen
Herrschaft Staatseigentum gewesen war. Am bedeutendsten waren dabei die Erdölfelder
Ostösterreichs mit allen ölverarbeitenden Betrieben, die DDSG, viele
landwirtschaftliche Betriebe sowie zahlreiche Unternehmen, die nach 1938 "arisiert" worden
waren.
USIA: deutsches Eigentum – sowjetisches Eigentum – österreichisches Eigentum?
Der USIA-Konzern umfasste mit 53.000 Beschäftigten (im Jahr 1955) die größten österreichischen Betriebe, darunter einen Großteil der Schwerindustrie. Die Rückgabe dieser USIA-Unternehmen war eine ständige Forderung Österreichs bei den Staatsvertragsverhandlungen und ein Druckmittel in den Diskussionen über den Status Österreichs als neutraler Staat.
Marshall-Plan oder sowjetische Anleihen?
Das kriegszerstörte Österreich erhielt seit 1945 von zahlreichen
Staaten und Organisationen verschiedene Hilfslieferungen in unterschiedlicher
Form, vor allem Lebensmittel und Heizmaterial.
Die Zweite Republik war von den US-amerikanischen Zuwendungen durch den "Marshall-Plan" (ERP,
European Recovery Program) abhängig, wobei die USA im beginnenden Kalten
Krieg jede politische oder wirtschaftliche Annäherung Österreichs
an die Sowjetunion kritisch beobachteten. Durch den Ausbruch des Korea-Krieges
verschärfte sich diese Situation durch die Embargobestimmungen der westlichen
Staaten gegenüber dem "Ostblock".
Stabilisierung der Löhne und Preise
Eine Bedingung für die Gewährung von Aufbauhilfen war die Stabilisierung der Währung durch Kontrolle der Löhne und Preise. Die dadurch hervorgerufenen Konflikte zwischen Regierung, Gewerkschaftsbund und (kommunistischen) ArbeiterInnenführern führten zur Implementierung der die Zweite Republik prägenden Sozialpartnerschaft, zu einer Westorientierung der Gewerkschaften und einer im internationalen Vergleich wenig ausgeprägten "Streikkultur".
Zollunion oder Freihandelszone?
Ab den 1950er Jahren bemühte sich Österreich aktiv um eine europäische wirtschaftliche Integration. Diese Bemühungen fanden nicht nur unter ökonomischen und volkswirtschaftlichen, sondern auch unter politischen Gesichtspunkten statt. Im Zuge der in den folgenden Jahrzehnten zunehmend faktisch und vertraglich abgesicherten bilateralen und multilateralen Verflechtung der europäischen Staaten kam es zur Gründung verschiedener Institutionen wie GATT, OEEC, Europarat, EGKS, EWG, EURATOM, EVG, EG, EFTA und Comecon, die jeweils unterschiedliche, sich auch überschneidende oder konkurrierende Ziele verfolgten.
Eine Reihe von Dokumenten im Bruno Kreisky Archiv illustriert diese Lage Österreichs
"zwischen den Fronten".
Druckversion drucken







